“Vault“ war die erste Geschichte, die ich nach Vollendung des Underworld Zyklus’ in Angriff nahm. Nachdem ich fast zwei Jahre lang ausschließlich an Gangsteranekdoten gesessen hatte, brannte ich darauf, etwas komplett anderes zu machen. Als großer Science-Fiction Fan entschied ich mich, einen Science-Fiction Zyklus von Kurzgeschichten in Angriff zu nehmen, ähnlich wie Underworld, doch mit dem Thema von Gesellschaften, die nahe einem Zusammenbruch stehen oder schon zusammengebrochen sind. Die Idee für „Apocalypso Exotica“ war geboren. Ich verfolgte das Ziel, längere Geschichten zu schreiben, als Training für einen späteren Roman. Die Geschichte eines Reporters, der in den Tiefen eines Jahrhunderte alten Bunkers ein düsteres Geheimnis lüftet, erschien mir gerade geeignet, diesen Schritt zu vollführen. Man liest hier richtig – Vault sollte eine Kurzgeschichte werden!
Doch wie ich über die Monate schrieb, kamen immer neue Ideen, immer neue Facetten des Bunkers hinzu. Ich war machtlos. Das einzige, was ich tun konnte, war der Hand nachzugeben, die geschwind über die Tasten meines PCs huschte und in Microsoft Word Satz um Satz eines immer verstrickter werdenden Komplotts einhämmerte. Irgendwann gab ich mich dann dem Gedanken geschlagen, dass ich Vault als eigenständiges Projekt ausführen muss. Nicht nur, dass daraus ein Roman wurde, nein, es wurde sogar ein langer Roman! Ich schrieb meistens an mehreren Baustellen gleichzeitig. Immer, wenn mir eine Szene keinen Spaß mehr machte, wechselte ich zur nächsten, die mir mehr Spannung versprach. Das dumme war nur, dass sich damit dicke Knoten bildeten, die zu lösen ich mir ein großes Herz nehmen musste. Daher gerieten die Arbeiten am Ende etwas ins Stocken.
Einige Szenen entwickelte ich auch in Zusammenarbeit mit guten Freunden. Den „Balor“ beispielsweise verdanke ich einigen sehr anregenden Gesprächen mit meinem alten Freund Marco Alt, der schon damals ein großer Naturwissenschaftsfreak war und sein Wissen immer wieder gerne für kreative Verbiegungen missbrauchte. Die Wahrnehmung, der Look, auch die Schwachstelle, alles an diesem Monster war so konzipiert, dass es – zumindest mit einem gütlichen Auge zugedrückt – in einen erklärbaren Rahmen fällt. Auch die Architektur, die Energiegewinnung, das Regierungssystem, alles wurde durchdachte. Ich denke, genau diese Liebe zur Realität in einem ansonsten sehr von der Realität entrückten Szenario hat das Buch vielen Lesern näherbringen können.
Insofern – und ab vom Thema – möchte ich meinem ehemaligen Deutschlehrer Herrn Müller ausdrücklich widersprechen, dass es sich Science-Fiction- und Fantasyautoren leicht machen, indem sie die Gesetzmäßigkeiten unserer Realität außer Kraft setzen und wilde Dramaturgie-Orgien feiern, wie es ihnen passt. Tatsächlich hat sich der Fantasyautor an viel abstraktere Regeln zu halten, die nur in seinem Kopf präsent sind. Alles andere ist schlicht und ergreifend „Deus Ex Machina“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Deus_ex_machina) und eine Schwäche, die auch "normale" Autoren gerne mal mitbringen.
Zurück zum Thema. Vor allem die Subebenen wurden mir von Lesern immer wieder als ein besonders intensives Szenario geschildert. Dass ich selbst sehr angetan war von diesem bergstollenartigen Labyrinth, illustriert die Tatsache, dass gut die Hälfte des Romans dort unten spielt. Und wenn ich „unten“ sage, dann meine ich unten! Eine wesentliche Inspirationsquelle für die Subebenen war der „Herr der Ringe“ und die Reise der Gefährten durch die Höhlen Morias. Der ganze zweite Teil des Romans hat diesen Wandercharakter, und ich bin sehr froh, dass dieses Element positiv aufgenommen wurde. Es ist Teil von Davids Selbstfindung und gibt auch einen mythischen Charakter wieder, der große Zuspruch hat mir gezeigt, auf der richtigen Welle zu surfen.
Doch meine beiden Hauptinspirationen für den Roman suchen sich vergeblich in Film oder Literatur. Viel eher muss man zu Videospielen hin schielen. Ich rede von „Final Fantasy VII“ und „Fallout II“, beides Spiele, die einen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen haben. Unbedarften Leuten zu erklären, wo die Parallelen zu finden sind, wäre müßig. Doch alle Kenner der Spiele dürften das Buch mit einem Schmunzeln auf den Lippen lesen. Immer wieder komme ich auf Begriffe und Namen zurück, die meine Affinität zu diesen Spielen deutlich machen. Nach weiteren zwei Jahren Schreibarbeit, die meiste Zeit davon in der schulischen Oberstufe, ist so schließlich mein zweites Buch und erster Roman fertig geworden – Vault.