*** Beschreibung(en)

"Ich wollte ein Gefühl schaffen, keine Geschichten erzählen... es war ein Überschreiten von bisherigen Grenzen. Ein sprachliches und inhaltliches Experiment mit dem Ziel, ein Zeichen zu kreieren, was über die pure Summe der Wörter hinausgeht." 

So Schenk selbst über sein drittes Buchwerk. In dreizehn Kurzgeschichten stellt er damit unsere alltägliche Realität wie ein neugieriges Kind auf den Kopf und wieder zurück, nur um dann erstaunt festzustellen, dass sie auch kaputt gehen kann. Krass beleuchtete Momentaufnahmen einer verzerrten Wirklichkeit – das ist Unreality. Nie war das Abstrakte so greifbar, nie das Paradoxon so schlüssig. Absurd, verstörend, kafkaesk – und die Frage: Was ist schon real?

Endlichkeit
> Erste Geschichte
Er auf dem Weg nach Hause. Von der Arbeit? Einem Besuch? Er weiß es schon nicht mehr, zu lange schon sitzt er in diesem fahrenden Ding. Und all die anderen mit ihm, teilnahmslos, monoton. Die Realität muss kaputt gegangen sein, und mit ihr die anderen Passagiere. Anders kann er sich sie die endlose Dauer der Fahrt, ohne jemals anzukommen, nicht erklären. Doch vielleicht, wenn man hinausspringt...
Unrealität
> Zweite Geschichte
Er hat alles, was man sich nur wünschen kann. Und trotzdem beschleicht ihn das undankbare Gefühl einer Unzufriedenheit. Oder gerade deshalb? Der schleichende Zweifel, dass all dies, was er mit seinen Händen schuf, in Wirklichkeit überhaupt nicht real ist. Ob er seinen Beweis am Ende des metallischen Tunnels findet, der sich versteckt hinter dem Wohnzimmerbild auftut?
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Universen-Neid
> Dritte Geschichte
Was tun, wenn sich die Unendlichkeit der Schöpfung in hunderten von Millionen Teiluniversen auf einmal ins Gedächtnis brannte? Seine Gabe ist viel eher ein Fluch, und gegen die Gewissheit, nichtig zu sein im Vergleich zum Kosmos hat er sich nur ein Heilmittel ersinnen können: So viele Teiluniversen sammeln, wie er nur irgend kann und sie in seinem Inneren verschließen. Den Schmerz der Wertlosigkeit betäuben im Sammelrausch. Wenn aber nun einer käme, der beträchtlich mehr dieser Universen besäße...?
Herrscher der Welt
> Vierte Geschichte
Soll er lachen oder die Polizei verständigen? Der skurrile alte Herr ihm gegenüber beginnt, das wirre Gespräch im nächtlichen Lokal zunehmend bedrohlicher zu gestalten. Der Herrscher der Welt will er sein, soweit so gut. Doch nun eröffnet er ihm, auf der Jagd nach dem Herrscher der Gegenwelt zu sein, und behauptet, ihn gerade hier im Lokal in seiner Gestalt gefunden zu haben! Unsinn. Das müsse er ja wohl wissen! Nein, erklärt der alte Herr, der Herrscher der Gegenwelt eben nicht...
Unsynchron
> Fünfte Geschichte
Was zunächst als Segen scheint, entwickelt sich zur Mär: Seine Existenz läuft unsychron zur Welt, die ihm umgibt. Ist er vertieft in ein Buch und schaut auf, sind womöglich nur wenige Sekunden verstrichen; konnte er den Tag nicht lieb gewinnen, muss er womöglich nur wenige Gedankenschritte bis zum Abend tun. Doch als ihm die Kontrolle entgleitet und er hilflos mit ansehen muss, wie die Welt in jedem beliebigen Takt an ihm vorüberzieht - da verliert er mehr, als er zuvor gewonnen glaubte.
Geschwindigkeitsdenken
> Sechste Geschichte
Er will nichts anderes, als dort zu sitzen und sich der totalen Agonie hinzugeben. Doch sein Verstand, nun um Tonnen an Zeit reicher, um jedes noch so kleine Detail der Wirklichkeit zu begreifen, dankt es ihm unerwartet: Er entdeckt eine Welt, die jenseits der Taktung unserer besteht. Er kommt zum Ergebnis, dass die Wirklichkeit sein muss wie ein Telefonnetz, in dem tausende von Anrufen zur gleichen Zeit geschaltet werden, und dass die Welten, die für diese Anrufe stehen, in unterschiedlichen Taktfrequenzen laufen; einige schneller, andere langsamer. In der totalen Agonie erwächst ihm nun die totale Ambition...
So tot
> Siebte Geschichte
Es ging alles so schnell und Absicht war es höchstens im Moment des Affekts. Dennoch müssen sich die beiden heruntergekommenen Teenager mit dem Gedanken anfreunden: Sie haben Gott getötet. Doch der Schock weicht sehr schnell der Ambition, als sie realisieren, dass zum Erhalt der Wirklichkeit dringend ein Nachfolger vonnöten ist.
Die Türen
> Achte Geschichte
Seit unbestimmter Dauer wandelt er nun schon durch das Labyrinth, und weder macht es ihn schlauer, noch eröffnet es ihm eine Hoffnung auf Rettung. Es ist immer etwas anderes, und selten auf dem Rückweg das gleiche. Am nächsten dran an der Erlösung scheint ihm die massive Tür aus Stahl zu sein, die sich freilich nicht öffnen lassen wird. Doch wenn er für wenige Momente die Stimme auf der anderen Seite hört, entfernt und beschäftigt, dann fühlt er, dass es da noch etwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt...
Ereignis B
> Neunte Geschichte
Der Reporter wittert schon die Geschichte für den Pullitzerpreis: Sein Gegenüber behauptet nicht nur, sondern beweist es vor laufender Kamera, dass allen Dingen auf der Welt nur deshalb die Dinge folgen, die wir kennen, da es sich um einen gigantischen Zufall handelt. Er sagt, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass der Apfel deswegen ein weiteres Mal zu Boden fällt, nur weil er es hundert Mal zuvor getan hat. Und hier, im Umfeld seiner eigenen Person, beginnt der Zufall abzuklingen, und der Zucker fällt nicht mehr nach unten, nur weil sich der Löffel geneigt hat. Der Reporter erwartet sich aus der Entdeckung die größtdenkbare Konsequenz; doch er hat das Prinzip noch nicht verstanden.
Zurückgesetzt
> Zehnte Geschichte
Die Leistungen seines Lebens sind nicht mehr wert als die Zeit, die sie in Anspruch genommen haben; denn zu jedem beliebigen Moment kann es möglich sein, wieder zurückgesetzt zu werden an einen früheren Punkt seines Lebens. Die geleisteten Jahre - getilgt. Die Anerkennung - vergessen. Freilich hat er versucht, ein Muster zu erkennen oder einen höheren Plan, doch nach ungezählten Malen des Resets und tausenden verschiedenen Wertesystemen bleibt ihm nichts anderes, als im Gegenteil jede Form einer höheren Macht zu negieren. Denn welcher Plan kann es schon wert sein, umgesetzt zu werden, wenn jede Entscheidung an jedem Punkt deines Lebens genauso gut so, oder so getroffen werden könnte...?
Hyperreal
> Elfte Geschichte
Wenn jedes noch so kleine Detail der Welt empfunden würde wie das beste, stärkste, intensivste und extremste in derselben Weise wie jedes noch so bemerkenswerte große - wie könnte sich dem Menschen da ein anderes Bild zeichnen von der Wirklichkeit als ein ebenmäßig überstrahltes Weiß?
Wimpernschlag
> Zwölfte Geschichte
Egal wann, wo oder warum - seine Welt ändert sich mit jedem Wimpernschlag. Ist er verrückt? Ist die Welt verrückt? Er weiß es nicht. Doch gerade, als er die Hoffnung auf einen festen Halt endgültig zu verlieren droht, tut sich ein letzter Grashalm auf...
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Non-Existenza
> Dreizehnte Geschichte
Er ist Mitarbeiter bei einer großen Videospielfirma und genießt den Luxus, von zuhause zu arbeiten; einem kleinen, zugemüllten Raum, den er niemals verlassen muss. Als Spielemeister konfrontiert er zahlende Kunden übers Internet mit magischen Abenteuern, die sich im Videospiel der Firma zutragen. Die Magie verfliegt, als ihn ein besonders wacher Kunde im Textchat mit der Unterstellung konfrontiert, gar nicht zu existieren. Ebenso wenig wie sein Beruf oder das Videospiel, dem er sich verschrieben sieht...


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